Fünf Jahre später ist er noch da
Ein Meister aus dem Raum Hannover beschreibt seinen indischen Azubi so: „Der Beste, den ich je hatte." Nach dem Gesellenbrief ist dieser Mitarbeiter heute noch im Betrieb – seit fünf Jahren. Zwei deutsche Kollegen, die in derselben Zeit eingestellt wurden, haben inzwischen je dreimal den Arbeitgeber gewechselt.
Auf die Frage, ob er wieder jemanden aus Indien einstellen würde, zögert der Meister. Nicht weil die Erfahrung schlecht war. Sondern weil er sich an die ersten drei Monate erinnert.
Die ersten drei Monate: Was wirklich schwer war
Der Azubi hatte B2-Deutsch, war motiviert, pünktlich, zuverlässig. Trotzdem: Die ersten Wochen liefen holprig. Missverständnisse bei der Aufgabenbeschreibung. Bürokratische Hürden, die niemand erwartet hatte. Momente, in denen der Meister nicht wusste, wie er bestimmte Konzepte erklären sollte – nicht sprachlich, sondern kulturell.
„Mach das kurz fertig" – im deutschen Handwerk eine völlig normale Aufforderung. Für jemanden, der diese direkte, knappe Kommunikation nicht kennt, klingt es nach Ungeduld oder Kritik. Es ist keine – es ist die Art, wie hier Aufgaben gestellt werden.
Ab Monat vier: Rhythmus, Vertrauen, eine gemeinsame Sprache
Ab dem vierten Monat funktionierte es. Nicht perfekt – aber so, wie Ausbildung funktioniert, wenn alle wissen, was sie voneinander erwarten können. Ein Rhythmus entstand. Eine Arbeitssprache, die nicht Hochdeutsch war und nicht Hindi – sondern das spezifische Vokabular eines Handwerksbetriebs, das beide kannten.
Der Azubi lernte, wann er fragen musste und wann er einfach handeln sollte. Der Meister lernte, bestimmte Anweisungen beim ersten Mal etwas vollständiger zu formulieren. Das kostete insgesamt vermutlich zehn Minuten täglich in den ersten Wochen.
Was er beim nächsten Mal anders machen würde
Der Meister möchte beim nächsten Mal vorbereitet reingehen – nicht improvisieren. Er weiß jetzt, dass die ersten drei Monate eine Investition sind, die sich auszahlt. Er weiß, welche kulturellen Missverständnisse kommen werden – und dass sie kommen werden, nicht weil jemand Fehler macht, sondern weil zwei unterschiedliche Arbeitskulturen aufeinandertreffen.
Wer weiß, was kommt, kann es einplanen. Und wer es einplant, hat nach einem Jahr einen Mitarbeiter, der – wie im Fall dieses Meisters – fünf Jahre später noch da ist. Weitere Informationen für Handwerksbetriebe unter /azubi-handwerk.