49 Prozent – fast jeder zweite Betrieb
Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat die Zahlen für 2024 veröffentlicht: 49 Prozent aller ausbildenden Unternehmen haben nicht alle ihre Ausbildungsstellen besetzen können. Das ist ein neuer Rekordwert. Es ist der höchste seit Beginn der systematischen Erfassung.
Um das einzuordnen: Vor zehn Jahren lag dieser Wert bei unter 30 Prozent. Vor fünf Jahren bei unter 40 Prozent. Die Richtung ist eindeutig. Es gibt keinen Hinweis auf eine Trendumkehr.
Was 2026 und 2027 bedeuten
49 Prozent in 2024 – das ist der Ausgangspunkt, bevor die strukturellen Faktoren von 2026 sich vollständig auswirken. Die G8/G9-Umstellung in mehreren Bundesländern gleichzeitig bedeutet rund zehn Prozent weniger Schulabsolventen. Die demografischen Daten zeigen schwache Geburtenjahrgänge aus der Mitte der 2000er Jahre, die jetzt in den Ausbildungsmarkt eintreten.
2026 ist nicht der Beginn des Problems. 2026 ist der Tiefpunkt eines Prozesses, der seit Jahren läuft. Wer die Kurve kennt, kann sich positionieren – bevor der Tiefpunkt erreicht ist.
Was die Zahlen konkret bedeuten
73.400 unbesetzte Ausbildungsstellen – das ist die Ausgangszahl aus dem letzten Erhebungsjahr. 38 Prozent mehr als vor COVID. Und das ist der Ausgangspunkt, bevor der fehlende Jahrgang sich bemerkbar macht.
Betriebe, die weiterhin darauf setzen, dass sich der inländische Bewerbermarkt für 2026 und 2027 erholt, werden Stellen nicht besetzen. Nicht weil sie nichts versucht haben – sondern weil die Kandidaten strukturell nicht da sind.
Die Konsequenz: Wer sucht, muss breiter suchen
Internationale Rekrutierung ist keine Notlösung. Sie ist die logische Antwort auf einen Markt, der nicht mehr ausreicht. Betriebe, die das früh verstehen, bauen einen Prozess auf – Visa, Berufsanerkennung, Onboarding – der sich einmal aufgebaut immer wieder einsetzen lässt.
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